Ein Abend, viele Ideen – und die falsche Ausgangsfrage
Ein Abend, ein Raum voller junger Unternehmer, volle Konzentration auf das Thema KI. Die Stimmung: neugierig, offen, meinungsstark. Die erste Frage, die immer wieder kam, lautete sinngemäß:
„Welche Modelle sind gerade die besten und welche Prompts sollte ich kennen?“
Es ging um Modellnamen, Benchmarks und Prompt-Tricks – also darum, wie man mit Systemen wie ChatGPT oder Gemini möglichst clever interagiert. Spätestens in der Diskussion wurde aber klar: Nur über Modelle und Prompts zu reden, reicht nicht. Die eigentliche Frage ist: Wie setzen wir KI so ein, dass sie im Unternehmen wirklich Arbeit abnimmt und nicht nur nice to have bleibt?
Was in der Runde sehr klar wurde
Im Verlauf des Abends sind drei Dinge immer wieder aufgetaucht:
- Große Neugier auf KI-Systeme
Welches Modell kann was? Wie gut sind deutsche Texte? Welche Tools harmonieren mit Microsoft 365, CRM oder Projekttools?
- Wachsende Skepsis gegenüber reinem Prompting
Viele haben schon erste Erfahrungen gemacht: Prompts für E-Mails, Präsentationen, Zusammenfassungen. Chatbots, die irgendwie helfen, aber nicht wirklich Prozesse verändern. Die Erkenntnis: Mit Prompt-Spielereien allein wird man auf Dauer keinen Vorsprung halten.
- Unsicherheit bei Umsetzung und Verantwortung
Was darf ich rechtlich und organisatorisch überhaupt? Wo fange ich an, ohne mein Team zu überfahren? Wie baue ich etwas, das über ein Testprojekt hinausgeht?
Genau an dieser Stelle setzt der Gedanke „Beyond Prompting“ an.
Prompting vs. Agenten – worum geht es eigentlich?
Prompting bedeutet: Ein Mensch formuliert eine Aufgabe, die KI liefert eine Antwort, und danach läuft alles wieder manuell. In vielen Unternehmen bleibt es genau dabei.
Ein Agent denkt anders: Er hat eine Rolle und ein Ziel im Unternehmen, zum Beispiel:
- „Sorge dafür, dass neue Leads qualifiziert und rechtzeitig nachgefasst werden.“
- „Überwache das Info-Postfach und filtere Wichtiges aus dem Rauschen.“
- „Fasse regelmäßig Projektinformationen zusammen und halte das Team auf Stand.“
Ein Agent greift auf Daten und Systeme zu, arbeitet nach wiederkehrenden Regeln und liefert Ergebnisse nicht nur einmal, sondern kontinuierlich. Für junge Unternehmer heißt das: Du baust keine KI-Spielerei, sondern eine zusätzliche Teamrolle, die dir Arbeit abnimmt.
Die eigentlichen Fragen hinter den Diskussionen
Im Raum standen weniger technische Fragen, sondern vor allem drei Themen:
- Was kann KI in meinem Unternehmen realistisch leisten?
Es ging weniger um Visionen, sondern um konkrete Use-Cases.
- Was darf ich – rechtlich, organisatorisch, gegenüber Kunden?
Datenschutz, Haftung, Transparenz – und die Frage, wie viel Automatisierung Kunden akzeptieren.
- Was ist überhaupt machbar mit meinen Daten und Systemen?
Viele Tools setzen eine strukturierte Datenbasis voraus, die es so noch nicht gibt. Ohne Daten kein Agent.
Viele Teilnehmer haben gespürt: Es wird nicht reichen, sich den nächsten Prompt-Leitfaden zu holen. Es braucht einen klaren Weg vom ersten Experiment hin zu Agent-Rollen in den eigenen Prozessen.
Was junge Unternehmer konkret daraus mitnehmen können
Für junge Unternehmer, die jetzt gründen oder skalieren, bietet das Thema Agenten eine echte Chance:
- Prozesse lassen sich von Anfang an so bauen, dass KI-Unterstützung mitgedacht wird.
- Es müssen keine alten Strukturen aufgebrochen werden, sondern neue Rollen können direkt in die Organisation integriert werden.
- Kleine, fokussierte Agenten – etwa rund um E-Mail-Triage, Lead-Handling oder Reporting – geben einen Vorsprung, bevor Wettbewerber ihre erste saubere KI-Strategie formuliert haben.
Wichtige Schritte dabei:
- Klar benennen, welche Rolle ein Agent im Unternehmen spielt (Assistent, Filter, Monitoring, Controller).
- Die Systeme definieren, auf die er zugreifen muss (E-Mail, CRM, Projekttools, Dateien).
- Von Anfang an festlegen, wie Erfolg gemessen wird (Zeitersparnis, Fehlerreduktion, Reaktionszeiten).
Ausblick: Was im nächsten Beitrag kommt
In diesem Beitrag ging es um den Abend selbst: die Diskussionen, Unsicherheiten und die Erkenntnis, dass „Beyond Prompting“ mehr ist als ein Schlagwort – nämlich eine notwendige nächste Stufe.
Im nächsten Blogpost steigen wir tiefer ein in den Inhalt des Vortrags bzw. der Masterclass: Welche konkreten Agent-Muster für den Mittelstand sinnvoll sind, wie ein Agent von der Idee über Datenanbindung bis zum laufenden Einsatz gedacht werden kann und welche Stolpersteine in Daten, Prozessen und Organisation real auftreten.